
Callsheet und Disposition: was vor einem Shooting feststehen muss
Das Callsheet ist das Dokument, das einen Drehtag zusammenhält: wer wann wo sein muss, wie lange gearbeitet wird und wer im Zweifel entscheidet. Die Disposition ist die Planung dahinter – die Zuordnung von Menschen, Zeiten und Orten zueinander.
Wenn an einem Drehtag etwas schiefgeht, liegt die Ursache überraschend selten in der Kreation. Meist liegt sie in einem unvollständigen Callsheet, das am Vorabend verschickt wurde und dessen Lücken erst um acht Uhr morgens auffallen.
Was gehört in ein Callsheet?
Ein brauchbares Callsheet beantwortet alle Fragen, die am Morgen des Drehtags aufkommen können – bevor sie jemand stellen muss:
- Calltime – wann das Model vor Ort sein muss, nicht wann gedreht wird
- Adresse mit Zugangsbeschreibung – Hintereingang, Klingelschild, Parksituation, Ansprechpartner am Empfang
- Telefonnummer eines Erreichbaren – jemand, der ans Telefon geht, nicht nur formal zuständig ist
- Geplantes Ende – als realistische Angabe, nicht als Wunschzeit
- Anzahl der Looks und ungefährer Ablauf
- Hair & Make-up – vor Ort gestellt oder vorbereitet mitzubringen
- Was mitzubringen ist – eigene Kleidung, Schuhe, Unterwäsche in bestimmten Farben
- Verpflegung und Pausenregelung
- Besonderheiten – Außendreh, Wasser, Tiere, Höhe, sportliche Bewegung, Nässe, Kälte
Der letzte Punkt entscheidet manchmal über die gesamte Buchung. Ein Model, das erst am Set erfährt, dass im Januar am Wasser gedreht wird, hat sich anders vorbereitet als nötig – und die Produktion verliert Zeit.
Wer erstellt das Callsheet?
In der Regel die Produktion oder die Agentur des Kunden. Die Modelagentur prüft es, ergänzt fehlende Angaben und leitet es an die gebuchten Models weiter.
Diese Prüfung ist kein Formalismus. Sie fängt genau die Lücken ab, die am Set auffallen würden: fehlende Endzeit bei einem Termin, der eng an einen Anschlusstermin grenzt; keine Angabe zur Maske bei einem Model, das zwei Stunden Anfahrt hat; Außendreh ohne Ausweichplan.
Bei Buchungen aus dem Commercial-Bereich mit mehreren Models an einem Tag entscheidet die Qualität der Disposition darüber, ob die geplante Anzahl an Looks am Ende tatsächlich entsteht.
Was ist der Unterschied zwischen Calltime und Drehbeginn?
Calltime ist die Ankunftszeit des Models am Set. Drehbeginn ist der Moment, in dem die erste verwertbare Aufnahme entsteht.
Dazwischen liegen Ankommen, Hair & Make-up, Anprobe und die erste Abstimmung – je nach Produktion eine bis drei Stunden. Bei aufwendigem Beauty-Make-up können es mehr sein.
Diese Zeit gehört vollständig zur Arbeitszeit. Wer sie in der Kalkulation nicht berücksichtigt, kommt am Nachmittag in die Überstunden, ohne dass am Set irgendetwas schiefgelaufen wäre.
Wie wird eine Disposition sinnvoll aufgebaut?
Die Grundregel: gestaffelt, nicht gleichzeitig. Wenn drei Models für zehn Uhr bestellt sind und es eine Maske gibt, warten zwei.
Eine funktionierende Disposition arbeitet rückwärts vom ersten benötigten Motiv:
- Wann muss das erste Bild entstehen? Daraus ergibt sich alles Weitere.
- Wie lange braucht Hair & Make-up pro Person? Realistisch, nicht optimistisch.
- Wie viele Plätze gibt es? Eine Maske bedeutet serielle Bearbeitung.
- Welches Model wird zuerst gebraucht? Das bestimmt die Reihenfolge.
- Wann kommen die anderen? Gestaffelt, mit Puffer.
Wer so plant, hat am Set weniger Menschen, die warten – und mehr Zeit für die Aufnahmen.
Was kostet eine unklare Disposition konkret?
Ein Beispiel aus dem Produktionsalltag: Drei Models sind für zehn Uhr bestellt, eine Maske ist vorhanden. Zwei warten je eineinhalb Stunden. Der Drehplan verschiebt sich um zwei Stunden nach hinten. Das Tageslicht für die geplanten Außenaufnahmen ist am späten Nachmittag weg, ein Look entfällt.
Der Fehler lag nicht am Set und nicht bei den Beteiligten. Er lag in einer Zeile im Callsheet, in der dreimal dieselbe Uhrzeit stand.
Gestaffelte Calltimes hätten den Tag gerettet – und hätten in der Vorbereitung fünf Minuten gekostet.
Was sollten Marken und Produktionen vorbereiten?
Das Callsheet spätestens am Vortag verschicken. Wer es am Morgen des Drehtags schickt, bekommt Rückfragen während der Anfahrt – von Menschen, die im Zug sitzen und nicht mehr reagieren können.
Konkret werden bei Looks und Ablauf. Je genauer die Angaben, desto präziser kann die Agentur im Vorfeld beraten, wie viele Models der Tag realistisch trägt.
Eine Person als Ansprechpartner benennen. Nicht eine Abteilung, nicht drei Namen – eine Nummer, die am Drehtag drangeht.
Änderungen aktiv kommunizieren. Ein aktualisiertes Callsheet, das niemand ankündigt, wird nicht gelesen.
Häufige Fragen
Muss ein Callsheet schriftlich vorliegen? Nicht zwingend, aber praktisch immer sinnvoll. Mündliche Absprachen zu Zeiten und Orten führen bei mehreren Beteiligten regelmäßig zu Abweichungen.
Was, wenn sich der Ablauf am Drehtag ändert? Das ist normal. Entscheidend ist, dass jemand die Änderung kommuniziert – insbesondere, wenn sich das Ende verschiebt.
Wer haftet, wenn die Adresse falsch ist? Die Verantwortung liegt bei der Stelle, die das Callsheet erstellt hat. Praktisch relevanter ist, dass verlorene Zeit sich nicht zurückholen lässt.
Bekommen Models das Callsheet direkt? In der Regel über die Agentur, die es vorher prüft. Bei laufenden Produktionen mit eingespielten Abläufen auch direkt.
Fazit
Das Callsheet ist kein Verwaltungsdokument, sondern das Werkzeug, mit dem eine Produktion planbar wird. Vollständigkeit ist wichtiger als Form, und ein Anruf am Vortag ersetzt keine schriftliche Disposition.
Wer gestaffelt plant, realistisch kalkuliert und einen erreichbaren Ansprechpartner benennt, hat den größten Teil dessen erledigt, was einen Drehtag ruhig verlaufen lässt.
Weitere Begriffe zum Produktionsablauf stehen im Model & Creator Guide.