
Compcard, Sedcard, Book: welches Material wofür gebraucht wird
Im Modelbusiness kursieren vier Begriffe für Bildmaterial, die regelmäßig durcheinandergehen: Compcard, Sedcard, Book und Digitals. Sie beschreiben verschiedene Dinge mit verschiedenen Aufgaben.
Wer eine Anfrage stellt oder beantwortet, sollte wissen, welches davon gerade gemeint ist – sonst bekommt man Portfolios, wenn man Digitals braucht, und umgekehrt.
Compcard und Sedcard – gibt es einen Unterschied?
In der Praxis meinen beide dasselbe: die Übersichtskarte eines Models.
Compcard ist die international übliche Bezeichnung, abgeleitet von „composite card“. Sedcard ist die im deutschsprachigen Raum verbreitete Variante – vermutlich aus „setcard“ entstanden.
Darauf stehen: Name, Agentur, Maße und meist vier bis sechs aussagekräftige Aufnahmen. Die Karte ist die Visitenkarte des Models. Sie soll in wenigen Sekunden zeigen, was jemand kann.
Klassisch war sie gedruckt und wurde bei Castings hinterlassen. Heute läuft der Großteil digital, das Format ist aber geblieben: eine Seite, wenige Bilder, alle wichtigen Angaben.
Was ist das Book?
Das Book oder Portfolio ist die ausführliche Sammlung: fünfzehn bis dreißig Aufnahmen, die Bandbreite zeigen. Editorial neben Commercial, Beauty neben Ganzkörper, verschiedene Stimmungen, verschiedene Lichtsituationen.
Das Book beantwortet die Frage, ob ein Model die gesuchte Rolle tragen kann. Die Compcard beantwortet nur, ob es in die engere Auswahl kommt.
Ein gutes Book ist eher kurz als lang. Dreißig starke Bilder wirken besser als sechzig, von denen zwanzig schwächer sind – gewertet wird tendenziell nach dem schwächsten Bild, nicht nach dem besten.
Was sind Digitals?
Digitals oder Polaroids sind unbearbeitete Aufnahmen: neutrales Licht, keine Retusche, einfache eng anliegende Kleidung, kein oder minimales Make-up, Haare offen. Meist Vorderansicht, Profil, Rückenansicht, Ganzkörper und Porträt.
Sie zeigen, wie ein Model tatsächlich aussieht – nicht wie es nach Styling, Licht und Bearbeitung aussieht.
Für Kunden sind sie oft aussagekräftiger als das Book, gerade wenn Passform, Hauttyp oder Proportionen eine Rolle spielen. Ein Book zeigt, was möglich ist. Digitals zeigen den Ausgangspunkt.
Deshalb werden sie regelmäßig aktualisiert. Digitals, die älter als ein halbes Jahr sind, führen zu Überraschungen am Set – und Überraschungen am Set kosten Zeit.
Welches Material zählt bei welcher Anfrage?
- Erste Sichtung durch den Kunden → Compcard
- Engere Auswahl → Book, um Bandbreite und Erfahrung zu prüfen
- Vor der Buchung → aktuelle Digitals, um den Ist-Zustand zu sehen
- Bei Anproben und Passform → Digitals plus vollständige Maße
- Bei Sprechrollen → zusätzlich ein kurzes Video
Bei Vorschlägen aus dem Mainboard werden in der Regel Compcard, Book und aktuelle Digitals zusammen geliefert. Das erspart die Rückfragen, die sich sonst über Tage ziehen.
Was gehört auf eine gute Compcard?
Vorderseite: ein starkes Porträt, das den Typ zeigt. Nicht das ungewöhnlichste Bild, sondern das aussagekräftigste.
Rückseite: drei bis fünf Bilder mit Bandbreite – Ganzkörper, eine kommerzielle Situation, gegebenenfalls Beauty. Dazu Maße und Agentur.
Nicht darauf: zu viele Bilder, stark bearbeitete Motive, Aufnahmen im selben Stil. Wer fünf Beauty-Nahaufnahmen zeigt, sagt weniger als wer drei verschiedene Situationen zeigt.
Was ist das häufigste Versäumnis?
Veraltetes Material.
Ein Book mit Aufnahmen von vor drei Jahren und Digitals von vor einem Jahr führt dazu, dass ein Model gebucht wird, das anders aussieht als erwartet. Am Drehtag stellt sich heraus, dass die Haarfarbe eine andere ist, die Statur sich verändert hat oder das Alter im Bild nicht mehr passt.
Das ist für alle Beteiligten unangenehm und vollständig vermeidbar. Digitals kosten nichts außer zwanzig Minuten und neutralem Licht.
Häufige Fragen
Wie oft sollten Digitals erneuert werden? Mindestens alle sechs Monate, bei Veränderungen sofort – neue Haarfarbe, deutlicher Statur- oder Frisurwechsel.
Wer erstellt die Compcard? In der Regel die Agentur, aus dem vorhandenen Material. Die Auswahl ist Teil der Positionierungsarbeit.
Braucht man die Karte noch gedruckt? Für die meisten Anfragen nicht. Bei Castings vor Ort und im internationalen Geschäft ist sie stellenweise noch üblich.
Dürfen Digitals bearbeitet werden? Nein, das würde ihren Zweck aufheben. Sie sollen den Ist-Zustand zeigen, nicht ein Ergebnis.
Fazit
Compcard für den ersten Eindruck, Book für die Bandbreite, Digitals für den Ist-Zustand. Drei Materialien mit drei Aufgaben.
Das wichtigste Kriterium bei allen dreien ist dasselbe: dass sie aktuell sind. Ein mittelmäßiges aktuelles Bild ist für eine Buchung mehr wert als ein hervorragendes von vor zwei Jahren.
Mehr zum Aufbau des eigenen Materials steht im Model & Creator Guide.