
Curve Models buchen: Markt, Passform und Produktion
Curve Models arbeiten in denselben Bereichen wie alle anderen: E-Commerce, Katalog, Kampagne, Editorial, Werbung. Der Unterschied liegt nicht im Einsatzgebiet, sondern in einigen produktionsseitigen Details, die vor der Buchung geklärt sein sollten.
Wer sie klärt, produziert ohne Reibung. Wer sie übergeht, stellt am Drehtag fest, dass die Musterteile nicht passen.
Was bedeutet Curve im Modelbusiness?
Der Begriff bezeichnet Models oberhalb der klassischen Sample-Größe, üblicherweise ab Konfektion 42. Die Bezeichnungen variieren – Curve, Curvy, Plus Size – gemeint ist dasselbe Segment.
Wichtiger als das Etikett ist die tatsächliche Passform. Zwei Models derselben Konfektionsgröße können sehr unterschiedliche Proportionen haben: unterschiedliche Verhältnisse von Brust, Taille und Hüfte, unterschiedliche Körperhöhe, unterschiedliche Verteilung.
Für Bekleidung ist genau das entscheidend – nicht die Zahl auf dem Etikett.
Warum reicht die Konfektionsgröße nicht?
Weil sie nur eine Näherung ist, und weil Konfektionsgrößen zwischen Marken erheblich abweichen.
Für eine Produktion zählen mehrere Maße: Brust, Taille, Hüfte, Innenbeinlänge, Körpergröße, Konfektion oben und unten getrennt, Schuhgröße. Bei Oberbekleidung zusätzlich Schulterbreite und Armlänge.
Ein Model mit Konfektion 44 oben und 46 unten braucht bei einem Kleid eine andere Größe als bei einem Zweiteiler. Wer nur eine Zahl kommuniziert, bekommt Vorschläge, die statistisch passen und praktisch nicht.
Was ist bei den Musterteilen zu beachten?
Der häufigste Stolperstein. Eine Buchung ist wenig wert, wenn am Drehtag nur Sample-Größen bereitliegen.
Deshalb gehört zur Anfrage aus dem Curve-Board immer die Frage, in welcher Größe tatsächlich produziert wird – nicht welche Größe das Model haben soll.
Drei Fälle kommen vor:
Die Kollektion liegt in der benötigten Größe vor. Der Idealfall, dann richtet sich die Besetzung nach den vorhandenen Teilen.
Die Kollektion liegt nur in Sample-Größe vor. Dann muss entweder angepasst werden – mit entsprechendem Zeitbedarf und jemandem, der es kann – oder die Produktion verschiebt sich, bis die Größen verfügbar sind.
Die Größen kommen später. Häufig bei Vorabproduktionen. Dann sollte der Drehtermin daran ausgerichtet werden, nicht umgekehrt.
Was ist bei der Produktion zu beachten?
Styling einplanen. Ansteckungen und Anpassungen am Set brauchen Zeit und jemanden, der damit umgehen kann. Wer bei Sample-Größen mit zwei Klammern arbeitet, braucht hier andere Lösungen.
Bildsprache abstimmen. Wer Curve-Models einsetzt, sollte sie in derselben Bildsprache zeigen wie alle anderen Besetzungen – dieselbe Lichtsetzung, dieselben Perspektiven, dieselbe Bearbeitungsqualität. Sonderbehandlung im Bild fällt auf und wirkt gegenteilig.
Perspektive prüfen. Extreme Untersichten oder verzerrende Weitwinkel wirken bei allen Körperformen unvorteilhaft, werden hier aber schneller als Aussage gelesen.
Wie hat sich der Markt entwickelt?
Deutlich. Was vor zehn Jahren ein Nischensegment mit wenigen spezialisierten Anbietern war, gehört heute im E-Commerce zum Standard.
Der Grund ist wirtschaftlich, nicht ideologisch: Händler wollen ihre Sortimente über die tatsächlich verkauften Größen abbilden. Ein Artikel, der bis Größe 52 angeboten wird, aber nur an einem Sample-Model gezeigt wird, erzeugt Retouren.
Damit ist auch die Erwartung gestiegen. Kunden suchen keine Symbolbesetzung, sondern Models, die dieselbe professionelle Routine mitbringen wie im übrigen Bestand – Ausdauer über lange Drehtage, Erfahrung mit hoher Taktung, Sicherheit vor der Kamera.
Was sollten Marken im Briefing angeben?
Vier Angaben genügen für eine belastbare Auswahl:
- Konfektionsgröße der Musterteile – nicht die Wunschgröße des Models
- Art der Produktion – E-Commerce, Kampagne, Editorial
- Anzahl der Looks und ungefährer Ablauf
- Ob Anpassungen möglich sind und wer sie vornimmt
Mit diesen vier Punkten lässt sich eine Auswahl treffen, die am Drehtag funktioniert.
Häufige Fragen
Ab welcher Größe spricht man von Curve? Üblicherweise ab Konfektion 42, die Abgrenzung ist aber fließend und wird von Markt zu Markt unterschiedlich gehandhabt.
Gibt es Curve auch bei männlichen Models? Ja, das Segment wächst – insbesondere im E-Commerce und in der Werbung, wo realistische Körperbilder gefragt sind.
Sind Curve-Buchungen teurer? Nein. Die Vergütung folgt denselben Kriterien wie sonst: Arbeitszeit und Nutzungsrechte.
Wie viele Looks sind realistisch? Wie bei allen Buchungen abhängig von Umzugszeit und Anpassungsbedarf. Wenn Teile angesteckt werden müssen, entsprechend weniger.
Fazit
Curve-Besetzungen unterscheiden sich in der Vorbereitung, nicht in der Anforderung. Wer Musterteile und Maße früh abgleicht, produziert ohne Reibung.
Wer nur die Konfektionsgröße nennt und den Rest am Drehtag klärt, verliert Zeit an einer Stelle, an der eine Frage im Briefing gereicht hätte.
Weitere Begriffe rund um Besetzung stehen im Model & Creator Guide.