Männliche Models buchen: eigener Markt, eigene Anforderungen


Der Markt für männliche Models wird häufig als kleinere Ausgabe des weiblichen beschrieben. Das trifft nicht zu. Er funktioniert anders – bei Altersstruktur, bei den dominierenden Einsatzbereichen und bei der Frage, was eine Buchung überhaupt auslöst.

Wer ihn wie den weiblichen behandelt, sucht regelmäßig an der falschen Stelle.

Wie unterscheidet sich die Altersstruktur?

Deutlich. Während im weiblichen Fashion-Bereich der Schwerpunkt lange auf sehr jungen Models lag, ist die Spanne bei Männern von jeher breiter.

Commercial-Buchungen reichen bis weit über fünfzig, und in bestimmten Kategorien – Finanzen, Automobil, Gesundheit, Versicherung, Handwerk – sind reifere Gesichter gefragter als junge. Ein Model, das eine Beratungssituation glaubwürdig ausfüllen soll, ist selten fünfundzwanzig.

Für Models bedeutet das: Der Beruf ist über einen deutlich längeren Zeitraum ausübbar, und die zweite Karrierephase ab vierzig ist keine Ausnahme, sondern ein eigenes Segment.

Für Marken bedeutet es, dass die Auswahl größer ist als vermutet – vorausgesetzt, das Briefing beschreibt die Rolle statt eines Alters.

Welche Einsatzbereiche dominieren?

E-Commerce und Katalog. Der volumenstärkste Bereich mit den meisten Buchungstagen. Die Anforderungen sind spezifisch: Ausdauer über viele Looks, Konstanz in der Haltung, Fähigkeit zu hoher Taktung. Ein Model, das nach dem zwanzigsten Artikel anders steht als beim ersten, verursacht Nacharbeit.

Commercial und Werbung. Hier zählt Glaubwürdigkeit in einer Rolle mehr als klassische Modelmaße. Gefragt sind Gesichter, die eine Situation tragen – Vater, Kollege, Kunde, Handwerker, Sportler.

Fashion und Editorial. Kleineres Segment mit engeren Anforderungen an Maße und Typ, weil an Sample-Größen gearbeitet wird.

Bewegtbild. Wachsend, mit eigenen Anforderungen: Präsenz vor der Kamera, gegebenenfalls Sprechtext, Fähigkeit zu wiederholbarer Bewegung.

Wer aus dem Bereich der Commercial-Besetzungen sucht, sucht in der Regel nach Typ und Wirkung, nicht nach Konfektion.

Was ist bei den Maßen zu beachten?

Im Fashion-Bereich sind die Vorgaben eng, weil an Samples gearbeitet wird. Im Commercial-Bereich sind sie es nicht – dort entscheidet, ob jemand die Rolle glaubwürdig ausfüllt.

Relevant für die Produktion sind:

  • Konfektionsgröße – oben und unten getrennt
  • Kragenweite – bei Hemden entscheidend
  • Innenbeinlänge – bei Hosen wichtiger als die Konfektion
  • Schulterbreite – bei Sakkos und Mänteln, weil sich das schlecht anpassen lässt
  • Schuhgröße – häufig limitierend, weil Musterschuhe selten in allen Größen vorliegen

Der letzte Punkt wird regelmäßig unterschätzt. Bei Schuhproduktionen ist die Größe oft das erste Ausschlusskriterium, noch vor allem anderen.

Worauf kommt es bei der Besetzung an?

Auf die Rolle. Ein Model für eine Handwerkskampagne muss anders wirken als eines für eine Bankwerbung – und beide müssen die Wirkung über einen ganzen Drehtag halten.

Deshalb ist die Beschreibung der Situation im Briefing hilfreicher als die Beschreibung des Aussehens. „Mitte vierzig, sportlich, sympathisch“ liefert weniger als „soll wirken wie jemand, dem man das eigene Auto anvertraut“.

Wer beschreibt, was die Person im Bild tut und welchen Eindruck sie hinterlassen soll, bekommt passendere Vorschläge als wer Alter, Größe und Haarfarbe angibt.

Was ist bei Bärten, Tattoos und Haaren zu klären?

Drei Punkte, die im weiblichen Bereich seltener eine Rolle spielen und hier regelmäßig zu Rückfragen führen:

Bart. Ob er bleiben darf, gekürzt oder abgenommen werden soll, gehört ins Briefing. Ein Model, das am Drehtag erfährt, dass es sich rasieren soll, hat für die nächsten Wochen ein Problem mit anderen Buchungen.

Tattoos. Sichtbarkeit, Abdeckbarkeit und Aufwand. Abdecken kostet Maskenzeit, und bei großflächigen Motiven ist es kaum praktikabel.

Haarlänge und -farbe. Wenn eine Veränderung gewünscht ist, gehört sie vereinbart und vergütet – sie betrifft die Buchbarkeit des Models über Monate.

Häufige Fragen

Gibt es feste Maßvorgaben? Im Fashion-Bereich ja, im Commercial-Bereich nicht. Dort entscheidet die Rolle.

Ist der Markt kleiner als der weibliche? In der Anzahl der Buchungen im Fashion-Bereich ja. Im Commercial- und E-Commerce-Bereich ist der Abstand deutlich geringer.

Ab welchem Alter wird es schwierig? Es wird nicht schwierig, es verschiebt sich. Wer mit fünfzig nicht mehr für Fashion gebucht wird, wird für Commercial gebucht – oft regelmäßiger als vorher.

Wie lange dauert der Aufbau? Ähnlich wie bei weiblichen Models, mit einer Besonderheit: Reifere Einsteiger sind oft schneller buchbar, weil sie sofort in ein nachgefragtes Segment passen.

Fazit

Der männliche Markt ist breiter in der Altersstruktur, kommerzieller in der Verteilung und stärker rollengetrieben. Wer die Rolle beschreibt statt das Aussehen, findet schneller.

Und wer Bart, Tattoos und Haare früh klärt, vermeidet die Rückfragen, die sonst zwei Tage vor dem Termin auftauchen.

Mehr zu Besetzung und Buchungsablauf steht im Model & Creator Guide.