Media Kit: was hineingehört und wofür Marken es lesen


Das Media Kit ist für Creator, was die Sedcard für Models ist: die verdichtete Übersicht, die eine erste Einschätzung ermöglicht.

Es entscheidet, ob eine Anfrage weitergeht oder nicht – und diese Entscheidung fällt meist innerhalb einer Minute. Entsprechend sollte es aufgebaut sein.

Was gehört hinein?

Kurzvorstellung. Zwei bis drei Sätze: Wer, welches Thema, welche Haltung. Keine Aufzählung von Adjektiven, sondern eine Aussage, die jemanden von anderen unterscheidet.

Plattformen mit aktuellen Zahlen. Follower, durchschnittliche Reichweite pro Beitrag, Engagement Rate – mit ausdrücklicher Angabe, worauf sie sich bezieht und aus welchem Zeitraum sie stammt.

Zusammensetzung der Zielgruppe. Alter, Geschlecht, Länder, größte Städte. Diese Angaben interessieren Marken oft mehr als die Gesamtreichweite, weil sie über die Passung entscheiden.

Beispiele bisheriger Arbeiten. Zwei bis vier, mit Ergebnis – nicht nur mit Markennamen. „Kampagne für Marke X, 180.000 Aufrufe, 4,2 % Interaktion“ sagt mehr als ein Logo.

Formate. Was tatsächlich produziert wird: Reels, Stories, Longform, Podcast, UGC ohne Veröffentlichung. Und in welcher Produktionsqualität.

Kontakt. Direkt oder über die Vertretung – eindeutig benannt.

Was ist überflüssig?

Screenshots von Statistiken ohne Kontext. Ein Screenshot ohne sichtbaren Zeitraum ist keine Information.

Follower-Zahlen aus dem Vorjahr. Wirft die Frage auf, warum keine aktuellen vorliegen.

Seitenlange Lebensläufe. Die Marke sucht einen Kooperationspartner, keine Anstellung.

Aufzählungen von Marken, mit denen es nur eine Produktzusendung gab. Das fällt auf und beschädigt die Glaubwürdigkeit der übrigen Angaben.

Aufwendiges Design ohne Substanz. Ein Media Kit über acht Seiten wird nicht gelesen. Zwei bis vier reichen.

Worauf achten Marken zuerst?

Auf drei Dinge, in dieser Reihenfolge:

  1. Passt die Zielgruppe? Wenn das Publikum nicht stimmt, ist alles andere gleichgültig.
  2. Passt die Bildsprache? Sieht der bisherige Content aus, als könnte die Marke darin vorkommen?
  3. Wirkt die Zusammenarbeit professionell?

Der dritte Punkt entsteht nicht durch den Inhalt, sondern durch die Form. Ein aktuelles, sauber aufgebautes Dokument mit nachvollziehbaren Zahlen signalisiert, dass auch die Zusammenarbeit strukturiert ablaufen wird. Das ist für Marken ein realer Faktor – Kooperationen scheitern häufiger an Abstimmung als an Reichweite.

Wie oft sollte es aktualisiert werden?

Mindestens vierteljährlich. Reichweiten verändern sich, Formate auch, und ein Media Kit mit Zahlen von vor einem Jahr wirft die Frage auf, warum es nicht aktueller ist.

Sofort zu aktualisieren ist es bei größeren Veränderungen: neue Plattform, deutliches Wachstum, thematische Neuausrichtung, Wechsel der Vertretung.

Wer sich als Creator bei einer Agentur vorstellt, sollte es ohnehin aktuell haben – es ist die Grundlage jedes Gesprächs und das erste, wonach gefragt wird.

Sollte man Preise angeben?

Umstritten, und es gibt für beide Seiten gute Argumente.

Dagegen spricht: Jede Kooperation ist anders zugeschnitten. Umfang, Nutzungsrechte, Exklusivität und Dauer bestimmen den Rahmen. Eine feste Zahl im Media Kit passt selten auf die konkrete Anfrage – und legt die Verhandlung fest, bevor der Umfang bekannt ist.

Dafür spricht: Anfragen ohne jede Vorstellung erzeugen viel Abstimmung, die zu nichts führt. Wer weiß, dass er in der falschen Größenordnung anfragt, spart beiden Seiten Zeit.

Ein gangbarer Mittelweg: Leistungspakete beschreiben, ohne feste Beträge zu nennen. „Reel plus zwei Stories mit dreimonatigen Nutzungsrechten“ ist eine buchbare Einheit – der Zuschnitt bleibt verhandelbar, die Marke weiß aber, was überhaupt angeboten wird.

Wie sollte es technisch aufgebaut sein?

Als PDF, nicht als Link auf eine Präsentation, die sich ändern kann.

Lesbar auf dem Handy – ein erheblicher Teil der ersten Sichtung passiert dort.

Mit Dateinamen, der etwas sagt. „MediaKit_Name_2026-09.pdf“ statt „Unbenannt.pdf“.

Unter fünf Megabyte, damit es in einer Mail ankommt.

Häufige Fragen

Braucht jeder Creator ein Media Kit? Sobald Kooperationen angefragt werden, ja. Es ersetzt die immer gleiche Beantwortung derselben Fragen.

Wer erstellt es bei vertretenen Creatorn? Häufig die Agentur gemeinsam mit dem Creator, weil sie einschätzen kann, worauf Marken achten.

Sollte man Misserfolge erwähnen? Nicht als Aufzählung, aber ehrliche Zahlen sind besser als geschönte. Marken prüfen nach.

Was, wenn die Reichweite gerade sinkt? Aktuelle Zahlen angeben. Eine erklärbare Delle ist unproblematisch, eine geschönte Zahl fällt spätestens im Reporting auf.

Fazit

Das Media Kit ist kein Portfolio, sondern eine Entscheidungshilfe. Es soll einer Marke ermöglichen, in einer Minute zu erkennen, ob eine Zusammenarbeit Sinn ergibt.

Alles, was dieser Frage nicht dient, kann weg. Und alles, was ihr dient, sollte aktuell und überprüfbar sein.

Mehr zur Zusammenarbeit mit Marken steht im Model & Creator Guide.