
Overtime, Down-Days und Reisetage: was ein Drehtag wirklich umfasst
Ein Shooting dauert acht Stunden – so steht es im Angebot. In der Praxis kommen Anreise, Maske, Anprobe und oft ein Rückflug am Folgetag dazu. Die Begriffe dafür heißen Overtime, Down-Day und Reisetag.
Sie sind keine Zuschläge, mit denen jemand die Rechnung erhöht. Sie bilden ab, wie viel Zeit ein Model für eine Produktion tatsächlich gebunden ist – und wer sie in der Kalkulation ausklammert, verhandelt sie später am ungünstigsten Zeitpunkt: am Drehtag selbst.
Was ist Overtime?
Overtime ist die Arbeitszeit, die über den vereinbarten Drehtag hinausgeht. Der Standard liegt bei acht bis zehn Stunden, gerechnet ab Calltime und einschließlich Pausen.
Entscheidend ist der Startpunkt: Gezählt wird ab Ankunft am Set, nicht ab der ersten Aufnahme. Wer ein Model um sieben Uhr bestellt und um neun Uhr den ersten Look dreht, hat zwei Stunden verbraucht, bevor die Kamera lief.
Overtime entsteht selten durch Fehler am Set. Sie entsteht durch optimistische Planung davor:
- Zu viele Looks für die verfügbare Zeit angesetzt
- Maskenzeiten unterschätzt, besonders bei aufwendigem Beauty
- Ortswechsel nicht eingerechnet – zwei Locations kosten regelmäßig zwei Stunden
- Abstimmungsschleifen am Set, weil vorher niemand entschieden hat
- Technische Verzögerungen, die niemand vorhersehen konnte
Die ersten vier Punkte lassen sich planen. Der fünfte ist der Grund, warum ein Puffer sinnvoll ist.
Was ist ein Down-Day?
Ein Down-Day ist ein Tag, an dem ein Model für eine Produktion gebunden ist, aber nicht gedreht wird.
Typisch bei mehrtägigen Produktionen an einem entfernten Ort: Das Model ist vor Ort, das Wetter passt nicht für die geplanten Außenmotive, oder ein anderer Teil des Teams dreht Szenen ohne dieses Model.
In beiden Fällen kann das Model an diesem Tag nichts anderes annehmen. Es kann nicht nach Hause fahren, weil am Folgetag wieder gedreht wird. Der Tag ist verbraucht.
Deshalb wird der Down-Day als gebundener Tag behandelt – üblicherweise zu einem reduzierten Satz gegenüber einem vollen Drehtag, aber nicht kostenlos. Wie genau, gehört in die Buchungsvereinbarung.
Wie werden Reisetage behandelt?
Ein Reisetag ist ein Tag, der vollständig für An- oder Abreise draufgeht. Bei Produktionen im Ausland oder an entlegenen Orten ist er der Regelfall, nicht die Ausnahme.
Auch hier gilt: Der Tag ist gebunden. Ein Model, das am Sonntag nach Mailand fliegt, montags dreht und dienstagfrüh zurückfliegt, hat drei Tage für einen Drehtag aufgewendet.
Ob und wie Reisetage vergütet werden, ist Verhandlungssache und gehört vorab geklärt. Nachträglich lässt sich das schlecht regeln, weil die Zeit dann bereits investiert ist.
Wer regelmäßig mit Models aus dem Mainboard an wechselnden Orten produziert, kalkuliert Reisetage von vornherein mit – das ist keine Großzügigkeit, sondern realistische Planung.
Wie planen Produktionen realistisch?
Vier Fragen vor der Buchung ersparen die meisten Diskussionen danach.
Wie viele Looks sind wirklich geplant? Nicht die Wunschzahl, sondern die, für die das Team ausgestattet und die Zeit vorhanden ist. Zwölf Looks bedeuten zwölf Umzüge, meist mit Anpassung bei Hair & Make-up.
Wann beginnt die Maske? Daraus ergibt sich die Calltime, nicht umgekehrt. Wer bei einer Stunde Maskenzeit und Drehbeginn um zehn Uhr die Calltime auf zehn Uhr setzt, hat den Tag bereits verloren.
Wie kommt das Model hin und zurück? Wenn die Rückreise nach zwanzig Uhr beginnt, ist der Folgetag ebenfalls betroffen – auch wenn er nicht als Reisetag deklariert wird.
Was passiert bei Verzögerung? Wer vorher weiß, dass ab einer bestimmten Uhrzeit Overtime anfällt, entscheidet am Nachmittag anders über den letzten Look.
Was ist mit Wartezeiten am Set?
Wartezeit ist Arbeitszeit. Ein Model, das drei Stunden im Aufenthaltsraum sitzt, weil die Technik nicht bereit ist, arbeitet – es ist gebunden, kann nichts anderes tun und muss jederzeit einsatzbereit sein.
Das ist kein juristisches Argument, sondern eine praktische Feststellung: Wer Wartezeit nicht mitrechnet, kalkuliert einen Tag, den es so nicht gibt.
Häufige Fragen
Ab wann gilt Overtime? Nach Ablauf der vereinbarten Stundenzahl ab Calltime. Der genaue Rahmen wird bei der Buchung festgelegt – üblich sind acht bis zehn Stunden.
Zählt die Mittagspause zur Arbeitszeit? In der Regel ja, weil das Model während der Pause am Set bleibt und nicht frei über die Zeit verfügt.
Muss ein Down-Day angekündigt werden? Sinnvollerweise ja, bei der Buchung. Ein Down-Day, der erst vor Ort entsteht, ist trotzdem ein gebundener Tag.
Was, wenn der Drehtag früher endet als geplant? Der vereinbarte Tag gilt. Ein Model, das für acht Stunden gebucht ist und nach fünf fertig ist, hat den Tag geblockt und keine andere Buchung annehmen können.
Fazit
Overtime, Down-Days und Reisetage sind die Abbildung der tatsächlich gebundenen Zeit – nicht Aufschläge auf einen Grundpreis. Wer sie im Angebot berücksichtigt, bekommt eine belastbare Kalkulation.
Wer sie ausklammert, spart im Angebot und zahlt in der Abrechnung. Und diskutiert am Nachmittag des Drehtags über Stunden, statt über den letzten Look zu entscheiden.
Mehr zum Produktionsablauf steht im Model & Creator Guide.