
PPM und Postproduktion: der Termin, den Marken oft vergessen
Das PPM – Pre-Production Meeting – ist der Termin, an dem eine Produktion vom Konzept in die Umsetzung übergeht. Alle Beteiligten stimmen ab, was am Drehtag konkret passiert: welche Bilder entstehen, in welcher Reihenfolge, mit welchem Styling, unter welchen Bedingungen.
Wer ihn auslässt, klärt dieselben Fragen später – am Set, unter Zeitdruck, mit dem gesamten Team im Wartestand und einem Model, dessen Buchungszeit läuft.
Was wird im PPM besprochen?
Ein PPM geht das Konzept Schritt für Schritt in die Umsetzung durch:
- Looks und Reihenfolge – was wird gedreht, in welcher Abfolge, mit welchem Zeitansatz je Look
- Styling – Kleidung, Hair & Make-up, Referenzbilder, wer was mitbringt
- Licht und Location – Innen, Außen, Tageszeit, Ausweichplan bei Wetter
- Rollen am Set – wer entscheidet bei Abweichungen, wer gibt frei
- Bildauswahl – wie viele Motive werden gebraucht, wer wählt aus, bis wann
- Postproduktion – Umfang der Bearbeitung, Freigabeschleifen, Liefertermin
- Nutzungsrechte – wofür die Bilder eingesetzt werden, in welchem Zeitraum
Der vorletzte Punkt ist der, der am häufigsten fehlt. Der letzte ist der, der am häufigsten zu spät kommt.
Warum gehört die Postproduktion ins PPM?
Weil sie den Drehtag beeinflusst – nicht umgekehrt.
Wenn feststeht, dass Hintergründe später ersetzt werden, wird anders ausgeleuchtet und gegebenenfalls vor Greenscreen gearbeitet. Wenn klar ist, dass Motive sowohl im Hochformat für Social Media als auch im Querformat für die Website gebraucht werden, wird anders kadriert – mit Luft am Rand, die später Zuschnitt erlaubt.
Wer die Postproduktion erst nach dem Shooting bespricht, stellt gelegentlich fest, dass das benötigte Ausgangsmaterial gar nicht existiert. Dann wird nachgedreht: neuer Termin, neue Verfügbarkeitsprüfung, neue Kosten – und ein Model, das inzwischen anders aussieht oder nicht mehr frei ist.
Warum gehören die Nutzungsrechte hinein?
Weil sie die Kalkulation bestimmen und weil sie sich nachträglich schlecht ändern lassen.
Eine Produktion, die im PPM feststellt, dass die Bilder doch auch als Anzeige laufen sollen, muss das mit der Agentur klären, bevor gedreht wird. Nach dem Shooting verhandelt man über Bilder, die bereits existieren – und die Position ist dann eine andere.
Wer nimmt am PPM teil?
Marke, Agentur des Kunden, Produktion, Fotograf oder Regie, Styling. Bei größeren Produktionen auch Kunde und Etatverantwortliche.
Die Modelagentur ist nicht immer dabei, sollte das Ergebnis aber kennen. Aus dem PPM ergibt sich, wie lang der Tag wird, wie viele Umzüge anfallen und ob besondere Anforderungen an das Model bestehen – Sport, Wasser, Kälte, Sprechtext.
Bei Produktionen, die auf Referenzen aus früheren Kampagnen aufbauen, verkürzt sich das PPM oft erheblich, weil Abläufe und Erwartungen bereits eingespielt sind.
Was ist der Unterschied zwischen PPM und Briefing?
Das Briefing beschreibt das Ziel: Was soll entstehen, für wen, mit welcher Botschaft, in welchem Stil.
Das PPM beschreibt den Weg: Wer macht wann was, mit welchem Material, unter welchen Bedingungen.
Ein gutes Briefing macht das PPM kürzer, weil weniger Grundsätzliches zu klären ist. Es ersetzt es nicht – die Übersetzung von Konzept in Ablauf muss trotzdem stattfinden.
Wann sollte das PPM stattfinden?
Früh genug, dass Erkenntnisse daraus noch umsetzbar sind. Üblich sind ein bis zwei Wochen vor dem Drehtag.
Wer das PPM auf den Vortag legt, kann nichts mehr ändern: Location ist gebucht, Models sind bestätigt, Kleidung ist bestellt. Dann ist es kein Planungstermin mehr, sondern eine Vorlesung des bereits Festgelegten.
Was geht ohne PPM schief?
Drei Muster wiederholen sich.
Widersprüchliche Erwartungen. Die Marke stellt sich reduzierte Bildsprache vor, der Fotograf plant aufwendige Lichtsetzung. Beide haben das Briefing gelesen und verschieden verstanden. Am Set wird diskutiert statt fotografiert.
Fehlendes Material. Kleidung in falscher Größe, Requisiten nicht bestellt, Produkt nicht rechtzeitig da. Fragen, die ein PPM zwei Wochen vorher aufgeworfen hätte.
Ungeklärte Entscheidungsbefugnis. Am Set weicht etwas vom Plan ab. Niemand ist befugt zu entscheiden, die zuständige Person ist nicht erreichbar. Zwölf Menschen warten auf eine Rückmeldung.
Häufige Fragen
Ist ein PPM auch bei kleinen Produktionen sinnvoll? Ja, aber kürzer. Bei einem halben Drehtag mit einem Model genügt oft ein strukturiertes Telefonat mit einer schriftlichen Zusammenfassung.
Wer protokolliert das PPM? Meist die Produktion. Wichtiger als die Form ist, dass ein schriftliches Ergebnis existiert und alle es bekommen.
Was, wenn sich nach dem PPM etwas ändert? Das ist normal. Entscheidend ist, dass die Änderung alle erreicht – besonders die, die davon in ihrer Vorbereitung betroffen sind.
Nimmt das Model am PPM teil? In der Regel nicht. Relevante Ergebnisse gehören aber ins Callsheet: Ablauf, Anzahl der Looks, besondere Anforderungen.
Fazit
Das PPM kostet eine Stunde und spart regelmäßig einen halben Drehtag. Es ist der Ort, an dem sich zeigt, ob alle Beteiligten dasselbe Bild im Kopf haben – und der letzte Zeitpunkt, an dem Abweichungen ohne Folgekosten korrigiert werden können.
Wer Postproduktion und Nutzungsrechte dort mitbespricht statt danach, produziert ohne die zwei häufigsten Nachverhandlungen im Geschäft.
Weitere Begriffe zum Produktionsablauf stehen im Model & Creator Guide.