
Rising Stars: wie neue Gesichter aufgebaut werden
Rising Stars sind Models, die aufgenommen wurden, Material aufgebaut haben und erste Buchungen vorweisen – aber noch nicht etabliert sind. Es ist die Phase zwischen New Face und Mainboard, und sie entscheidet über den weiteren Verlauf einer Laufbahn.
Von außen sieht diese Phase nach Warten aus. Tatsächlich ist sie die arbeitsintensivste.
Was passiert in dieser Phase?
Material entsteht. Testshootings schließen gezielt Lücken im Portfolio – nicht als Beschäftigung, sondern weil bestimmte Anfragen bestimmte Bilder voraussetzen. Ein Model, das für Beauty vorgeschlagen werden soll, braucht Beauty-Material, das die Haut zeigt.
Routine baut sich auf. Der Unterschied zwischen einem guten Casting und einem guten Drehtag ist Erfahrung: acht Stunden durchhalten, mit wechselnden Teams arbeiten, in Wartezeiten präsent bleiben, nach dem zwanzigsten Look noch dieselbe Haltung zeigen.
Der Markt lernt das Gesicht. Kunden buchen selten beim ersten Vorschlag. Sie sehen ein Model mehrfach – im Vorschlag, im Casting, in der Auswahl eines Wettbewerbers – bevor sie zugreifen. Diese Wiederholung braucht Zeit und kostet nichts außer Geduld.
Die Positionierung schärft sich. Erst durch tatsächliche Buchungen zeigt sich, wo jemand funktioniert. Häufig anders als zunächst angenommen: Ein Model, das für Fashion aufgenommen wurde, entpuppt sich als starke Commercial-Besetzung – oder umgekehrt.
Wie lange dauert es?
Sehr unterschiedlich. Manche Models sind nach einem halben Jahr regelmäßig gebucht, andere brauchen zwei Jahre.
Das hat weniger mit Aussehen zu tun als mit drei anderen Faktoren:
Marktnachfrage. Ein Profil, das gerade gesucht wird, geht schneller. Das ist Zufall und nicht beeinflussbar.
Verfügbarkeit. Wer nebenher studiert oder arbeitet und nur begrenzt frei ist, wird seltener vorgeschlagen – nicht aus Missachtung, sondern weil kurzfristige Anfragen dann regelmäßig ausfallen.
Verlässlichkeit. Wer erreichbar ist, Termine einhält und Absagen wegsteckt, kommt weiter als jemand, der auf den einen großen Job wartet und kleinere ablehnt.
Warum lohnt sich die Besetzung aus dem Nachwuchs?
Für Marken gibt es konkrete Vorteile:
Verfügbarkeit. Kürzere Vorlaufzeiten, weniger konkurrierende Optionen. Wer kurzfristig produziert, findet hier eher jemanden.
Frische Gesichter. Nicht bereits in fünf Wettbewerberkampagnen zu sehen. Für Marken, die sich abgrenzen wollen, ist das ein echtes Argument.
Motivation. Hohe Bereitschaft, sich auf ungewöhnliche Konzepte einzulassen und Dinge auszuprobieren, die ein durchgetakteter Kalender nicht zulässt.
Entwicklungsperspektive. Wer ein Gesicht früh bindet, kann es über mehrere Kampagnen aufbauen – mit wachsender Wiedererkennung.
Was Produktionen einplanen sollten: etwas mehr Anleitung am Set. Ein Talent im Aufbau bringt Potenzial mit, aber noch nicht die Routine von zehn Jahren. Ein erfahrener Fotograf gleicht das aus, ein gehetzter Drehplan nicht.
Was unterscheidet Rising Stars von New Faces?
Ein New Face ist neu aufgenommen, mit wenig oder keinem professionellen Material und ohne Buchungshistorie.
Ein Rising Star hat beides: ein Portfolio, das die Bandbreite zeigt, und erste Referenzen, auf die sich verweisen lässt. Es wird bereits regelmäßig vorgeschlagen und kommt in engere Auswahlen.
Der Übergang ist fließend und wird nicht durch ein Datum markiert, sondern durch die Art der eingehenden Anfragen: Wenn Kunden gezielt nach dem Namen fragen statt nach einem Typ, ist die Phase vorbei.
Was können Models in dieser Phase selbst tun?
Material aktuell halten. Digitals alle paar Monate, ohne Aufforderung.
Erreichbar sein. Der häufigste Grund, warum jemand nicht vorgeschlagen wird, ist nicht das Aussehen, sondern eine ausbleibende Antwort.
Kleinere Jobs annehmen. Sie bauen Routine auf und werden von Kunden gesehen. Wer nur auf große Kampagnen wartet, sammelt keine Erfahrung.
Absagen einordnen. Die überwiegende Mehrheit hat nichts mit der Person zu tun – Kleidergröße, Kombination mit anderen Besetzungen, interne Präferenzen, Budget.
Häufige Fragen
Wird man in dieser Phase schon vergütet? Ja, Buchungen werden normal vergütet. Testshootings sind in der Regel unvergütet, weil sie dem eigenen Material dienen.
Kann man in dieser Phase international arbeiten? Meist erst, wenn das Book steht. Eine Marktphase im Ausland ohne ausreichendes Material führt selten zu Buchungen.
Was, wenn nach zwei Jahren nichts passiert? Dann lohnt ein offenes Gespräch mit der Agentur über Positionierung, Material und Markt. Manchmal liegt es am Segment, manchmal am Zeitpunkt.
Sind Rising Stars günstiger? Die Vergütung folgt denselben Kriterien wie sonst. Was sich unterscheidet, ist die Verfügbarkeit – nicht der Preis.
Fazit
Der Aufbau eines Models ist Arbeit über Monate, nicht ein Moment der Entdeckung. Wer die Phase als Wartezeit versteht, verliert sie. Wer sie als Arbeitsphase versteht, verkürzt sie.
Für Marken ist genau diese Phase interessant, weil Verfügbarkeit und Frische zusammentreffen – und weil sich hier Gesichter finden lassen, bevor der Markt sie kennt.
Mehr zum Karriereverlauf steht im Model & Creator Guide.