
Wetterrisiko und Ausweichtermine bei Außenproduktionen
Sobald eine Produktion nach draußen geht, kommt eine Variable dazu, die niemand steuern kann. Die Branche begegnet ihr mit einem festen Instrument: dem Weather Day, einem vorab vereinbarten Ausweichtermin.
Wer ohne ihn plant, hat am Morgen des Drehtags nur zwei Möglichkeiten – bei schlechtem Wetter drehen oder absagen. Beide sind teuer.
Was ist ein Weather Day?
Ein Weather Day ist ein zweiter Termin, der bei der Buchung mitreserviert wird. Er wird nur genutzt, wenn der Haupttermin wetterbedingt ausfällt.
Für das Model bedeutet das: Beide Tage sind blockiert, gearbeitet wird an einem. Es kann in diesem Zeitraum keine andere Buchung annehmen – auch nicht für den Tag, der am Ende nicht gebraucht wird.
Deshalb gehört in die Buchungsvereinbarung, wie der reservierte Zweittermin behandelt wird. Ohne Regelung entsteht die Diskussion genau an dem Morgen, an dem es regnet – und dann geht es nicht mehr um Prinzipien, sondern um einen konkreten Tag.
Üblich ist, den Weather Day nah am Haupttermin zu legen: am Folgetag oder im Rahmen derselben Woche. Je größer der Abstand, desto wahrscheinlicher, dass Team, Location oder Model dann nicht mehr verfügbar sind.
Wer entscheidet, ob gedreht wird?
In der Regel die Produktion, meist am Vorabend oder frühen Morgen.
Entscheidend ist, dass die Entscheidungszeit vorher feststeht. Wer um sechs Uhr entscheidet, erreicht das Team, bevor es losfährt. Wer um neun entscheidet, hat alle bereits auf der Anfahrt – dann ist der Tag ohnehin angebrochen, unabhängig davon, ob gedreht wird.
Bei Buchungen aus dem Trend-Board mit engen Terminfenstern ist diese Frist oft wichtiger als der Ausweichtermin selbst: Ein Model mit Anschlussterminen kann einen kurzfristig verschobenen Tag oft nicht nachholen.
Bis wann ist eine Absage möglich?
Absagefristen sind Verhandlungssache und werden nach Vorlauf gestaffelt. Die Logik dahinter ist einfach: Je näher am Termin, desto weniger lässt sich der freigehaltene Tag noch anderweitig nutzen.
Am Drehtag selbst ist die Buchung in aller Regel verbindlich – unabhängig vom Wetter. Genau dafür existiert der Weather Day.
Das ist keine Härte gegenüber dem Kunden, sondern die Konsequenz daraus, dass das Model den Tag freigehalten und andere Anfragen abgesagt hat. Wer diese Logik akzeptiert, versteht auch, warum eine frühe Absage besser aufgenommen wird als eine späte.
Was tun, wenn es keinen Ausweichtermin gibt?
Dann sollte der Drehplan das Wetter aushalten. Möglichkeiten gibt es:
Indoor-Alternative an derselben Location vorbereiten. Nicht als Notlösung, sondern als eigenständig geplantes Motiv. Ein Innenraum, der offensichtlich Ersatz ist, sieht im Ergebnis danach aus.
Reihenfolge flexibel halten. Außenmotive zuerst, wenn das Licht passt. Wer den Tag mit dem Studioteil beginnt und nachmittags nach draußen will, hat keine Reserve.
Überdachte Bereiche einplanen. Arkaden, Unterstände, Toreinfahrten – Orte, die im Bild funktionieren und trocken sind.
Das Konzept wetterfest denken. Regen kann ein Bildmotiv sein statt ein Problem. Das muss man aber vorher entscheiden, nicht um sieben Uhr früh.
Was gehört in die Vereinbarung?
Vier Punkte, schriftlich, bei der Buchung:
- Gibt es einen Weather Day, und wann liegt er?
- Wer entscheidet über den Ausfall, und bis zu welcher Uhrzeit?
- Wie werden Anfahrt und bereits erbrachte Leistungen behandelt, wenn am Set abgebrochen wird?
- Was passiert, wenn auch der Ausweichtermin ausfällt?
Der vierte Punkt wird fast immer vergessen und ist der, der bei mehrtägigem Schlechtwetter relevant wird.
Was ist bei Abbruch während des Drehs?
Wenn das Team draußen steht und das Wetter kippt, ist der Tag angebrochen. Anfahrt, Maske und die bereits gedrehten Motive sind erbracht.
Praktikabel ist, vorab festzulegen, ab welchem Zeitpunkt ein Tag als angetreten gilt – üblicherweise mit Beginn der Maske. Danach wird der Tag behandelt wie ein Drehtag, unabhängig davon, wie viele Motive entstanden sind.
Häufige Fragen
Wer trägt das Wetterrisiko? Grundsätzlich die Produktion, weil sie über Zeitpunkt und Ort entscheidet. Der Weather Day ist das Instrument, mit dem sich dieses Risiko begrenzen lässt.
Kann man Wetter versichern? Bei größeren Produktionen ja, über spezielle Ausfallversicherungen. Bei einzelnen Drehtagen steht der Aufwand meist in keinem Verhältnis.
Wie kurzfristig darf man verschieben? Auf den Weather Day: bis zur vereinbarten Entscheidungszeit. Auf einen ganz neuen Termin: das ist eine Neubuchung, keine Verschiebung.
Gilt das auch bei Hitze oder Kälte? Ja. Extreme Temperaturen sind ein Produktionsrisiko wie Regen – bei Außendrehs im Winter oder Hochsommer gehören sie in dieselbe Vereinbarung.
Fazit
Wetter ist kein Sonderfall, sondern ein kalkulierbares Risiko. Wer den Ausweichtermin bei der Buchung mitvereinbart, die Entscheidungsfrist festlegt und den Fall des zweiten Ausfalls mitregelt, verliert im schlechtesten Fall einen Tag – nicht die Produktion.
Weitere Themen zum Produktionsablauf stehen im Model & Creator Guide.